Die Ichung

Die Ichung mei­nes Ichs voll­zog sich spä­ter als bei ande­ren. Die Mut­te­rung der Über­macht Mut­ter ver­zö­ger­te die Ichung um Jah­re. Mein Ich zog sich unter eine Decke zurück und fraß Wör­ter. Die Wör­ter füll­ten das Ich­lein aus, bläh­ten es auf, hoben die Decke. Also zog ich aus um mein Ich­lein unter einer ande­ren, grö­ße­ren Decke zu ver­ste­cken. Die Mut­te­rung folg­te durchs Tele­fon. Die Wör­ter der Mut­te­rung lie­ßen das auf­ge­bläh­te Ich­lein augen­blick­lich schrump­fen, die Decke ward bald zu groß. Mein Ich­lein ver­schwand in einer Decken­fal­te, wo es sich so lan­ge von Mil­ben­kot ernähr­te, bis Nies­an­fäl­le es zwan­gen, die Decken­fal­te zu ver­las­sen. Man stell­te eine Haus­staub­all­er­gie fest. Die Mut­te­rung voll­zog sich von nun an durch gut gemein­te Rat­schlä­ge. Das Ich­lein durch­bohr­te sich mit einem Stab das Gehirn. Jetzt konn­te die Mut­te­rung unge­hemmt durch­zi­schen.

(…)

“Die Ichung” ent­stand durch einen Text­im­puls (Work­shop BOeS) – den gesam­ten Text kann man nun in der Lite­ra­ta­tur­zeit­schrift “etcetera”(Sonderheft “Bür­ger, Bau­er, Bischof”) lesen.

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